Wasteland Weekend

Wasteland: Warriors of the Wasteland, Motoraver Story (Ausgabe Nr. 33)

Warriors of the Wasteland 

Kalifornien, Sehnsuchtsland bundesdeutscher TUI-Stammkunden, gutes Wetter, gute Laune. Yosemite Park, Venice Beach, Walk of Fame, Golden Gate, Highway 1 und Disneyland. Man eiert zwei Wochen in einer japanischen Leihgurke die Pazifikküste rauf und runter, hält mal hier, fotografiert mal da, genießt und entspannt. Gab es allerdings während der jugendlichen Sozialisation ein paar Zündaussetzer à la „Fahrzeug statt Freundin“, zuviel Mad-Max-VHS-Konsum und eine diffuse, seit dem Führerscheinerwerb vorhandene Angst vor dem Versiegen der globalen Ölquellen, dann fliegt man nach L.A., schließt sich eine Woche in einer Wellblechhalle in Paramount ein und vergewaltigt einen 79er Ford F-100 mit Trennscheibe und Schweißgerät solange, bis ein 1A Endzeit-Panzer für einen Spezial-Trip in die Mojave-Wüste bereit steht.

„Hey Mister, was ist denn mit dem Wagen los?“ „Was meinst du denn, was los ist?“ „Sieht aus, als ob den jemand ausgespuckt hätte!“. „Vielleicht wars n Akt der Befreiung!“

(Bubba Zanetti in Mad Max1)

Auswanderer Klaus Borrmann ist Mad- Max-Freak und Motoraver-Leser der ersten Stunde.

Als Klaus hörte, dass wir zum Wasteland Weekend in seine Wahlheimat Kalifornien fliegen, schenkte uns der Chef der Exportbude Cargate48 kurzerhand einen 79er Ford Pickup und stellte uns seine vollausgestattete Premium-Werkstatt für eine Woche zur Verfügung, um zu verhindern, dass wir mit einem Toyota von Verleiher Alamo zu einem Endzeit-Festival gurken.

Nach zehn Stunden Flug, Fingerabdruck- und Iris-Scan als erstes den Truck abchecken und ne Teile-Liste schreiben. Am nächsten Morgen sich mit Klaus seiner Crown-Victoria-Ex-Bullenschleuder durch den L.A.-Traffic hupen um als erster O‘Reilly Auto Parts leer zu kaufen und bei Pick-Your-Part in Wilmington nutzloses Geraffel von Schrottkarren abzuschrauben. Danach sich bei bestem Wetter mit der fetten Beute für die nächsten fünf Tage in der Werkstatt verschanzen, von kalten Burritos und warmem Pabst Blue Ribbon ernähren und 10.000 Kilometer von der deutschen Straßenverkehrszulassungsordnung entfernt A-Team versus Mad Max spielen. Ein Traumurlaub.

Mojave-Wüste, Kalifornien.

Das verödete Hinterland oberhalb vom Moloch Los Angeles verwandelt sich einmal im Jahr in ein Mekka für Mad-Max-Fans und apokalyptische Survival-Freaks. Das Endzeit-Festival enstand aus dem „Road War USA“, ein Event, den Veranstalter Karol Bartoszynsk für ein paar Mad-Max-Freaks und ihre Fahrzeuge zum ersten Mal im Jahre 2004 organisierte. Die Resonanz war so groß, dass er sich entschied, zusammen mit Kumpel Jared Butler ein ganz großes Ding draus zu machen: Das Wasteland Weekend. In California City fanden sie die geeignete Location, um am Rande der Zivilisation eine Welt zu schaffen, gegen die das etablierte Burning Man Festival wie ein Grillfest im Schrebergarten wirkt. Für ein Wochenende im Herbst herrscht dann Ausnahmezustand im Wüstenland. In einer hermetisch abgeriegelten Zeltstadt aus Schrott treffen sich mehr als 1000 Menschen, um das Leben nach dem großen Knall zu zelebrieren. Als Vorlage dient dabei Mad Max 2 und die Raffinerie der Wüstenbewohner. Ohne Eintrittskarte kommt niemand rein in diese Festung. Und die besteht aus einem angemessenen Survival-Outfit, ausreichend Waren zum Tauschen und im Idealfall aus einem Endzeit-Survival-Fahrzeug. Trotz schwerst bewaffneter Protagonisten im martialischen Outfit läuft das Spektakel komplett friedlich ab. Es gibt eine Poststelle, eine Donnerkuppel, einen „War Mart“ zum Shoppen und inszenierte Schwertkämpfe. Nach der Parade mit einem Konvoi aus über 50 Endzeit-Vehikeln darf Motoraver als Special Guest den Car-Contest moderieren und die besten Autos prämieren. Wenn die untergehende Wüstensonne dann die Stadt in ein rotes Licht taucht, öffnet das „Atomic Café“ seinen eisernen Tresen. Im Tausch schenken Endzeit-Amazonen Getränke aus, und auf der mit Flammenwerfern beleuchteten Showbühne laufen Burlesque-Shows und Metal-Konzerte. Wir sind mit unserem Wasteland-Truck mitten drin, verbrennen die ganze Nacht Benzin, rauchen Wasserpfeife mit den Führern des Wüstenvolkes und philosophieren bei Dosenbier und Dinky Di an glühenden Feuertonnen über alternative Lebensformen.

Text: Norman Gocke / Helge Thomsen   
Fotos: Helge Thomsen / Norman Gocke 

Aus Motoraver Nr. 33

-> hier im Benzinkiosk erhältlich